Heike

Was sind Ihre Aufgaben als Abteilungsleiterin für Schulentwicklung und Soko? Wie genau können wir uns da die Aufgaben und Themengebiete vorstellen, die Sie als Abteilungsleiterin haben bzw. mit denen Sie sich beschäftigen?

H. Rathmann:  Zunächst einmal arbeite ich zusammen mit meinem Kollegen, Herrn Rauser, bei der Schulorganisation mit, d. h. wir unterstützen Frau Bermanseder und Herrn Laupp im Schulleitungsteam. Darüber hinaus habe ich drei besondere Aufgabenbereiche: Unser Soko-Profil – das heißt, ich trage nun die Verantwortung für die Umsetzung und die Weiterentwicklung von Soko als Fach und als Grundlage unserer Schulgemeinschaft. Mein zweiter Schwerpunkt sind internationale Projekte und Kooperationen. Da geht es um klassische Austauschprogramme und Sprachreisen, die wir nach der Pandemie hoffentlich wieder aufnehmen können, aber auch darum, neue Formen wie internationale Projekte und Begegnungen zu etablieren. Ich hoffe, dass es bald möglich sein wird, solche Veranstaltungen zu planen und durchzuführen. Es wird nach der Pandemie in dieser Hinsicht einen Neustart geben und das ist ja durchaus auch eine Chance. Mein dritter Schwerpunkt ist die Unterstufe. Das heißt, ich werde mich mit dem Übergang von der Grundschule zum Gymnasium beschäftigen und mit allen Belangen der Jahrgangsstufen 5 bis 7.

Jede Schule zeichnet sich ja durch besondere Schwerpunkte oder Programme aus. Unsere Schule besitzt das besondere Fach Soko und legt sehr viel Wert auf Gemeinschaft. Würden Sie also sagen, dass gerade dieses Fach das Markenzeichen unserer Schule ist?

H. Rathmann:  Auf jeden Fall! Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das soziale Lernen und die Persönlichkeitsbildung in den Vordergrund zu stellen. Schule ist mehr als die Vermittlung und Aneignung von Fachwissen. In der Schule verbringen wir einen wichtigen Teil unseres Lebens. Wir lernen, mit anderen klarzukommen, uns in einer Klassengemeinschaft zurechtzufinden, wir knüpfen Freundschaften, verlieben uns vielleicht, wir streiten und lösen Konflikte, wir lernen, mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen. Das alles passiert zwar in jeder anderen Schule auch. Am OHG geben wir diesen Themen aber viel Raum in einer Soko-Stunde. Diese Entwicklungen sollen bei uns nicht im Verborgenen ablaufen, sondern wir wollen sie aktiv gestalten. Das ist ziemlich einzigartig. Wir arbeiten daran, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit stark, selbstbewusst und mit guten Strategien fürs Leben ausgerüstet das OHG verlassen können.

Auch ich als Oberstufenschülerin des OHG bin über die Jahre selbst schon in den Genuss von Soko gekommen und habe schon einige Projekte wie die Anti-Mobbing-Tage, Projekttage zum Thema Drogenkonsum, Workshops zur Stressbewältigung etc. miterlebt. Mit diesen Projekten werden ja bereits viele Themenbereiche abgedeckt. Gibt es neue Projekte, vor allem angesichts der jetzigen Coronasituation, die Sie sich für unsere Schule wünschen würden?

H. Rathmann:  Hmmm…Projekte könnte ich mir schon viele vorstellen. Wie wäre es z. B. mit dem OHG als Fair-Trade-Schule? OHG for FUTURE rückt ja die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz in den Vordergrund. Fair-Trade würde noch die Aspekte der Gerechtigkeit und des sozial verantwortlichen Handelns einbringen. Aber eigentlich geht es gar nicht darum, dass ich mir Projekte ausdenke. Du sprichst ja die Zeit nach Corona an. Ich denke auch, dass wir erstmal schauen müssen, wo dann Handlungsbedarf besteht. Es kam ja nicht nur der eigentliche Unterricht zu kurz, sondern eben auch die Gemeinschaft. Wie wird es nach Corona aussehen mit Nähe und Vertrauen? Was hat diese Zeit mit unserem Sozialverhalten gemacht? Wenn ich daran denke, dass der Theaterunterricht z. B. auch zum Ziel hat, Berührungsängste abzubauen – und das war oft schon gar nicht leicht – da sind wir jetzt durch die Pandemie zurückgeworfen. Ich denke auch, dass wir einen Schwerpunkt auf die Situation der SchülerInnen in der Mittelstufe legen müssen. Die waren am längsten im Fernunterricht und viele haben darunter sehr gelitten. Für sie müssen wir uns etwas überlegen. Wie kann man sich wieder zum Lernen motivieren? Wie kann man die entstandenen Wissenslücken schließen? Wie findet man sich wieder in der Klassengemeinschaft ein? Themen gibt es also genug.

Für sehr viele von uns war auf jeden Fall die Gründung des Schülercafés ein absolutes Highlight, was wir vor allem unserer tollen Schulsozialarbeiterin Frau Gawlik zu verdanken haben. Generell war es eine klasse Sache, dass Frau Gawlik als Schulsozialarbeiterin hier ans OHG berufen wurde. Ich denke mal, sie trägt auch einen sehr wichtigen Teil zur Gemeinschaftsbildung bei?

H. Rathmann: Absolut! Da kann ich uneingeschränkt zustimmen. Und ich möchte beim Thema Soko auch eng mit Frau Gawlik zusammenarbeiten.

Dazu passt auch gut das Thema „Schule ohne Rassismus“. Unsere Schule darf sich jetzt ja bereits zwei Jahre so nennen. Sehen sie dieses Thema an unserer Schule gut umgesetzt oder sind auch dort weitere Projekte geplant, um das Thema weiter bei den Schülern zu verinnerlichen?

H. Rathmann: „Schule ohne Rassismus“ liegt mir wirklich sehr am Herzen. Ich habe mich persönlich auch dafür eingesetzt, dass wir genügend Unterschriften zusammenbekamen. In der SMV hat sich ein AK gegründet und einen Super-Film zum Thema gemacht. Aber der Kampf gegen Rassismus ist nie zu Ende, wir müssen uns immer wieder neue Formen und Aktionen ausdenken, um das Thema präsent zu halten. Projekte kann ich mir nicht ausdenken oder verordnen. Ich wünsche mir aber, dass wir uns alle in Zukunft weiter nachhaltig, bunt und fantasievoll gegen Rassismus engagieren. Das ist wichtiger denn je und genau das ist Soko, also Sozialkompetenz im eigentlichen Sinn.

Das OHG ist ja eigentlich sonst sehr technisch orientiert, was ja bereits der Name sagt... Wir haben aber seit geraumer Zeit auch eine Theaterklasse und seit langem eben auch die Bläserklasse bzw. jetzt Rhythm-and-Brass-Klasse. Welche Intention steckte denn dahinter, diese für das OHG schon ein wenig „exotischeren“ Fächer hier anzubieten? Ging es nur um die Diversität oder hatte das weitere Gründe in Bezug zu SoKo?

H. Rathmann: Ja genau, da geht es um Soko. Ich habe die Theaterklasse 2016 ins Leben gerufen. Die Bläserklasse gab es damals schon länger. Ich dachte mir, zusammen Theater zu spielen ergänzt unseren Soko-Unterricht perfekt. Wir spielen zusammen, schlüpfen in Rollen, stellen als Gruppe ein Projekt auf die Beine, führen gemeinsam ein Stück auf – das alles ist Soko in die Praxis umgesetzt. Denkbar sind auch noch Klassen mit anderen Schwerpunkten.

Sind zur Förderung der musischen Talente eventuell auch noch weitere Projekte geplant, z. B. ein Schulchor oder sogar ein klassisches Schulorchester?

H. Rathmann: Da müsstest du bei den MusikkollegInnen nachfragen. Aber eins kann ich verraten: Es ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Theater und Musik geplant und wir denken in die Richtung Schulmusical.

Das Thema Umwelt und Klimaschutz ist ja im Moment vor allem auch für uns Jugendliche ein sehr bewegendes Thema. Mit der OHG for FUTURE-AG und dem geplanten SAW-Projekt versuchen wir ja bereits etwas zum Klimaschutz beizutragen, ihn den Schülern näherzubringen. Könnten Sie sich vorstellen, dieses Thema an der Schule noch weiter auszubauen, beispielsweise mit Projekten wie z. B. einem Ökologischen Garten oder vielleicht sogar einem Sonderfach zum Thema Nachhaltigkeit? Das wäre ja eigentlich auch eine tolle Auszeichnung für das OHG!

H. Rathmann: OHG for FUTURE ist eine tolle AG und sehr wichtig für unsere Schule. Ein neues Schulfach kann ich aber nicht so einfach erfinden. Wir haben ja mit Soko schon unser Sonderfach. Aber das Thema Klima- und Umweltschutz kann doch seinen Platz in Soko haben. Wir wollen in Zukunft im Soko-Unterricht Projekten mehr Raum geben, das können dann gerne auch ökologische sein. Mir ist es wichtig, dass ihr Schülerinnen und Schüler Soko als Chance seht, eure Anliegen und Themen einzubringen. Es kommt darauf an, dass ihr aus diesem Fach etwas macht!

Wie immer zum Schluss – meine persönliche Frage: Was möchten Sie uns Schülern noch mit auf den Weg geben, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

H. Rathmann: Diese Frage hört sich für mich wie Abschied oder Ende an. Für mich persönlich ist das aber eher ein Anfang. Ich wünsche mir SchülerInnen, die sich interessieren, sich engagieren, miteinander diskutieren, auch mal streiten und für eine Sache kämpfen. Die Schulgemeinschaft soll lebendig sein und sich weiterentwickeln.

Das Interview führte Amelie Ernst (J1)