Homeschooling Bericht 16 9

Homeschooling am OHG – Eine neue Erfahrung für uns alle

Die aktuelle Situation mit der weltweiten Corona Pandemie hat auch für uns am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen Konsequenzen. Mit der Ankündigung des Kultusministeriums, ab dem 17. März landesweit die Schulen zu schließen, mussten auch am OHG Lösungen gefunden werden, um den von nun an nicht mehr möglichen Präsenzunterricht durch Konzepte des Homeschoolings zu ersetzen. Die Situation des Homeschoolings ist dabei für uns alle neu, für Schüler aber auch für Lehrer. Da der Unterricht dennoch weitergehen und neuer Lernstoff vermittelt werden muss, muss trotz der ungewöhnlichen Umstände das Schuljahr fortgeführt und der Unterricht aufrechterhalten werden. Dabei bedarf es der Beteiligung aller, um das Beste aus der Situation zu machen. Und so hatten wir am Montag den 16. März für eine lange Zeit das letzte Mal Präsenzunterricht in der Schule, bevor dann das Homeschooling begann. Zu Beginn standen viele Fragen im Raum, auf die niemand eine richtige Antwort wusste. Aber alle ließen sich auf das große Experiment des Homeschoolings ein, das es gilt, gemeinsam zu bewältigen. Die ersten Wochen des Homeschoolings sind die wohl noch ungewohntesten für uns alle gewesen und obwohl wir alle schon sehr viele Erfahrungen und Erlebnisse in unserer Schulzeit hatten, ist das Homeschooling wohl eine ganz besondere und außergewöhnliche Erfahrung, an die wir Schüler aber auch Eltern und Lehrer sich wohl noch sehr lange erinnern werden können. Besonders in Erinnerung bleibt uns wahrscheinlich die Ungewissheit am Anfang. Auf die zahlreichen Fragen, wie wir Schüler unsere Aufgaben erhalten würden, wurden hingegen schnell Antworten gefunden. So erhielten wir gleich am Montag, unserem letzten Präsenzschultag, Arbeitspläne für die folgende Woche, sowie Materialien, die wir zur Bearbeitung der Aufgaben benötigten. In einem separaten Arbeitsplan erläuterten uns die Lehrer die Aufgaben für die nächste Woche genauer. Bei Fragen standen sie uns selbstverständlich weiterhin zur Verfügung. Dabei hatten wir die Möglichkeit, die Lehrer via E-Mail zu erreichen. Dieses Konzept funktionierte sehr gut, da man meist kurz darauf eine Antwort auf seine Frage erhielt, sodass man zügig vorankam und zügig mit der Bearbeitung der Aufgaben fortfahren konnte. Um sich über seine Erfahrungen austauschen und Fragen beantworten zu können, die per Mail nur schwer zu beantworten waren, wurden in vielen Klassen wöchentliche Telefonate mit den Klassenlehrern eingeführt. Einzelne Lehrer hatten derweil schon neue Ideen zur Gestaltung des Homeschoolings. Bereits nach den ersten Wochen des Homeschoolings fanden so erste Schulstunden über Discord statt. Zudem zogen einige Lehrkräfte interaktive Online-Module heran, mit deren Hilfe die Schüler unterschiedliche Aufgabentypen bearbeiten und ihre Ergebnisse schließlich selbstständig kontrollieren konnten. Bis Ende April beschränkte sich die Kommunikation zwischen den Lehrkräften und den Lernenden dennoch überwiegend auf die wöchentlichen Aufgabenpakete. Da man auf Dauer jedoch eine andere Lösung finden wollte, fand bereits zwei Wochen nach den Osterferien ein Umstieg auf Moodle statt. Moodle ist eine Lernplattform, die alle vorher genutzten Informationsstränge wie E-Mail, Discord und weitere Individualangebote vereint. Jeder Schüler ist über seinen Schul-Account angemeldet und kann in Moodle auf seine verschiedenen Kurse zugreifen, dort Aufgaben bearbeiten und diese direkt abgeben. Außerdem enthält Moodle den „Big Blue Button“, eine Funktion, die in vielen Fächern Onlinekonferenzen als Unterrichtsersatz ermöglicht. Dank gegenseitiger Unterstützung und mithilfe zweier Erklärvideos wurde der Umstieg für alle am Schulleben Beteiligten erleichtert. Dennoch bereitete die Umstellung auf Moodle sowohl Lehrern als auch Schülern vor allem zu Beginn große Schwierigkeiten. Wie sinnvoll und zielführend Online-Unterricht in der Realität tatsächlich ist, wird weiterhin von allen Betroffenen eifrig und kontrovers diskutiert. Während einige der Auffassung sind, Online-Unterricht sei ein ausreichender Ersatz für den entfallenden Präsenzunterricht, entgegnen andere, diese Alternative befriedige auf keinen Fall alle Bedürfnisse. Doch auch wenn Unterricht online nicht allen Erwartungen der Schüler und Lehrer gerecht werden kann, ermöglicht Moodle allen Lernenden und Lehrkräften nun auf eine einheitliche Plattform mit Leitplanken zurückgreifen zu können. Herr Rauser, der bei der Anpassung dieser Plattform für das OHG beteiligt ist, erkennt in Moodle in erster Linie einen Gewinn hinsichtlich der vereinfachten Kommunikation zwischen den Lehrkräften und den Schülern. Einige Schüler bestätigen diese Auffassung und geben dennoch an, dass die neuen Wege der Kommunikation sehr ungewohnt seien. Man schreibe sich mit den Lehrern per E-Mail oder auf Moodle, führe gelegentlich sogar mal ein Telefonat, wenn man Fragen habe oder auch wenn man einfach nur mal Hallo sagen möchte. Hierbei sei der gegenseitige Umgang meist sehr menschlich und herzlich und bringe einem dabei gleich ein kleines Licht in die nicht so schöne Zeit. Neben der vereinfachten Kommunikation erkennt Herr Rauser, dass Moodle zudem eine einfachere Rückmeldung durch die Lehrkräfte hinsichtlich der Arbeitsergebnisse der Schüler ermögliche. Zudem gebe es nun eine gesunde Mischung aus persönlichem Feedback durch die Lehrkraft, interaktiven Modulen und Klassendiskussionen. Plattformen wie Moodle halten somit sowohl den Austausch unter den Schülern als auch die Kommunikation zwischen den Lernenden mit den Lehrkräften aufrecht. Frau Goebes, die in den letzten Wochen eine Abschlussklasse im Fach Mathematik über Videokonferenzen auf das Abitur vorbereitete, gibt dennoch an, dass es ein vollkommen anderes Gefühl sei, mit einem Bildschirm zu sprechen und nicht in die Gesichter der Schüler blicken zu können. Vorteile sehen die meisten Lehrer in dieser Plattform dennoch hinsichtlich der vielseitigen Möglichkeiten, abwechslungsreiche Lernmethode einsetzen zu können und durch interaktive Module wie kleine Quizze oder Lernvideos den Unterricht lebendiger gestalten zu können. Man möchte nicht nur Arbeitsblätter verteilen, die die Schüler dann in ihrem Zimmer allein lösen, gibt eine Lehrkraft des OHGs an. Ergänzend sprach ein weiterer Lehrer an, dass Online-Unterricht zudem die Selbständigkeit und Organisationsfähigkeit der Schüler stärke. Nichtsdestotrotz erkennen viele Lehrkräfte im Homeschooling, im Online-Unterricht und in der Plattform Moodle weiterhin Verbesserungspotential. So könne die Chatfunktion weiter verbessert, die App für das Mobiltelefon kompatibler gestaltet und der Datenaustausch sowie die Installation des Dateikonverters vereinfacht werden. Da sich Moodle - wie jede Plattform und jedes Tool zum Homeschooling - in einer dauernden Entwicklung befinde, werde an diesen Kritikpunkte in nächster Zeit jedoch auch noch gearbeitet werden, gibt Herr Rauser an. Konkrete Zukunftsvisionen haben die Verantwortlichen bereits: „Am liebsten würden wir irgendwann einen eigenen Server nutzen, um die Plattform zu betreiben, aber das ist gerade noch Zukunftsmusik.“ In einem Punkt sind sich jedoch alle Beteiligten einig: Am liebsten würden sie so schnell wie möglich wieder zur Normalität zurückkehren und sich im Schulhaus live und in Farbe begegnen! Doch auch neben der Umsetzung des Unterrichts und der auftretenden Schwierigkeiten im Hinblick auf den Online-Unterricht, treten auch im Alltag der Schüler, Eltern und Lehrkräfte neue Probleme angesichts der ungewohnten Situation auf. Durch Homeoffice und Kurzarbeit der Eltern hockt meist die ganze Familie dichter aufeinander als sonst. Das hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Manche freuen sich über mehr Zeit mit der Familie, andere fühlen sich in einem vielleicht ohnehin für Corona-Zeiten zu kleinen Wohnraum beengt, es kommt gar zu größeren Spannungen, zu häuslicher Gewalt. Auch mangelnde technische Ausrüstung kann ein Grund für Schwierigkeiten sein. Dabei geht jeder Schüler ganz unterschiedlich mit dem Homeschooling und der Gesamtsituation um. Manch einer kommt gut zurecht mit der Selbstorganisation, manch einer ist vollkommen überfordert und weiß nicht, wo er anfangen soll. Vor allem die jüngeren Schüler brauchen zusätzliche Hilfestellung der Eltern, was schlicht nicht immer möglich ist. Andere haben überhaupt keine Lust und machen „Hang und Loose“, wiederum andere überarbeiten sich selbst, weil sie nichts verpassen wollen. Die Motivation fällt bei jedem Schüler also ganz verschieden aus. Natürlich spielen auch noch andere Faktoren mit rein. Soziale Kontakte, mit Freunden mal eben zum Kicken rausgehen, ein spontaner Kinobesuch, draußen spielen oder vielleicht auch einfach nur zusammen quatschen, fehlen einfach. Aber auch dafür haben viele gute Lösungen gefunden. Videochat-Verabredungen, dabei sogar zusammen kochen oder ein bisschen Party machen und zu zweit, natürlich mit gewissem Abstand, rausgehen an die frische Luft sind da ganz beliebte Kontaktmöglichkeiten. Genauso fehlen vielen Schülern die Hobbys. Nur wenige haben das Glück, Hobbys auszuüben, die man auch trotz Corona gut machen kann. Und selbst jetzt nach einigen Lockerungen darf man zum Trainieren beispielsweise weiterhin nur zu zehnt in ein großes Stadion, in dem sich normalerweise 5 oder mehr verschiedene ganze Gruppen den Platz teilen, bei Ballsportarten ist ein Ballwechsel verboten. Um sich ein wenig fit zu halten und auch um wieder einen etwas klareren Kopf zu bekommen gehen viele ab und zu mal joggen oder nehmen zuhause an Online-Fitnesskursen teil. Oder man räumt ausnahmsweise mal „freiwillig“ sein Zimmer auf… ;) Das Ganze hat aber natürlich nicht die gleiche Qualität, wie unser Leben vor Corona und deshalb sinkt die Motivation der Schüler schneller als sonst und es ist schwer sich den neuen Wochenaufgaben zu stellen. Der Alltag ist einfach viel eintöniger als sonst. Aber dennoch, alles in allem, schaffen es die meisten ganz gut durch die Zeit, auch wenn jeder mal seine Durchhänger hat, wie im normalen Schulalltag eben auch. Noten-Leistungsdruck gibt es schließlich derzeit bei den Wenigsten und mit der guten Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern und auch der tatkräftigen Hilfe vieler Eltern überstehen wir alle gemeinsam die Zeit so gut es geht.

Amelie Ernst (10b), Florian Stupp  (10a), Simone Wölfe (10a)

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