Bild Abitur Corona

„Die Situation ist ganz schön verzwickt …“ - Die aktuelle Corona-Situation aus der Sicht von diesjährigen Abiturienten

Eigentlich wären wir in drei Wochen mit den schriftlichen Prüfungen fertig gewesen, doch nun ist es ungewiss, wie, die Abiturprüfungen überhaupt stattfinden werden. Gerade für uns Abiturienten war und ist diese besondere Situation anstrengend und nervenaufreibend. „Denn wie soll man sich auf das Lernen konzentrieren, wenn eine kleine Stimme im Hinterkopf einem immer wieder zuflüstert: ‚Vielleicht findet es doch nicht statt‘. Deshalb ist es schwer, sich überhaupt noch zum Lernen zu motivieren und eine besondere Situation für alle Abschlussschüler“, beschriebt Nina Papazoglou die Situation treffend. Auch wenn die Lehrer ihr Bestes geben und an unserer Schule die fehlenden Unterrichtsstunden teilweise über Discord abgehalten wurden, ist es dennoch anders, allein daheim in seinem Zimmer zu sitzen, wenn man es sonst gewöhnt ist, gemeinsam mit den anderen in einem Klassenzimmer zu sein und sich anschauen zu können.

Besonders macht allen diese Ungewissheit zu schaffen. Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Lage können jegliche Maßnahmen nur sehr kurzfristig beschlossen werden. Morgen könnte die Welt wieder ganz anders aussehen, sodass es wichtig ist, dass wir „mit ein bisschen mehr Vorsicht an die Sache rangehen“. Leticia Helfinger wünscht sich deshalb, „dass es eine sichere Lage ist, wenn wir unser Abi schreiben und deshalb nicht alles auf die zu leichte Schulter genommen wird.“ So beschreibt auch Pia Sieger: „Was ziemlich an den Nerven zerrt, ist die Ungewissheit. Die Situation ist unberechenbar und nicht kalkulierbar“. Es wird deutlich, dass neben der Unsicherheit bezüglich des Abiturs auch die Unsicherheit in Bezug auf das private und öffentliche Leben eine große Rolle spielt.

Die Verschiebung des Abiturs sorgt bei vielen für Unmut, denn gerade durch die neuen Termine hat sich die Reihenfolge der Prüfungen verändert und auch der Prüfungszeitraum stark verkürzt. „Ich schreibe zum Beispiel drei Prüfungen in vier Tagen und manche auch drei Prüfungen in drei Tagen“, ärgert sich Benjamin Felger. Auch andere sprechen genau dieselbe Problematik an, so wie Nils von Schaper: „Ich kann die Maßnahmen gut nachvollziehen und finde sie auch angebracht. Auch wenn ich das Ändern der Reihenfolge der Fächer echt blöd finde, habe ich mich inzwischen daran gewöhnt.“

Neben der Umsetzung des Abiturs in Bezug auf Reihenfolge und Länge des Prüfungszeitraums, steht auch die Bewertung der Prüfungen im Vordergrund. Wird der Bewertungsmaßstab angepasst? „In Mathe gibt es halt nun einmal nur richtig oder falsch. Wollen sie dann den Notenspiegel verändern? Und um wie viel könnte er verändert werden?“, stellt Pia Sieger die wichtigen Fragen in den Raum. Doch Hanna Rathke ist da anderer Meinung und sieht die Lage etwas optimistischer: „Ich sehe das allerdings ziemlich gelassen und habe keine Angst davor, dass das Abi nicht vergleichbar oder schwerer sein könnte. Ich denke wir schaffen das“.

Natürlich müssen wir auch zugeben, dass mit es Sicherheit wichtigere Ereignisse oder Thematiken zu besprechen gibt als das Abitur. „Dennoch war es so, dass uns 12 Jahre lange erzählt wurde, dass wir mit dem Abi alles fertig und abgeschlossen haben werden. Besonders dieses Jahr haben wir auf dieses Datum hingelebt und jetzt sollen wir vielleicht gar keines schreiben?“, bringt Nina Papazoglou die Situation auf den Punkt. „Das durchkreuzt doch ziemlich alle Pläne.“

Vor allem aber werden alle Pläne für die besondere Zeit nach dem Abitur durchkreuzt. „Ich finde es sehr schade, dass alle Feierlichkeiten, auf die wir uns alle schon lange gefreut haben, nicht in dem Rahmen stattfinden können werden, wie wir sie uns vorgestellt haben.“ Damit spricht Hannah Kerk an, was viele von uns denken. Wie lange hat man sich denn schon auf seinen Abiball oder die Zeugnisübergabe gefreut und nun soll das alles nicht in dem Rahmen stattfinden, wie geplant? Auch die geplanten Reisen und Auslandsaufenthalte können zum großen Teil nicht wie gedacht durchgeführt werden.

Doch neben all der Ungewissheit gelingt es auch, ein paar Aspekte zu finden, die sich positiv auf das Leben der Abiturienten ausgewirkt haben. So bekamen wir durch die Schulschließung die Möglichkeit, uns nun ganz besonders auf die abiturrelevanten Fächer zu konzentrieren und konnten dadurch intensiver lernen, ohne durch die Nebenfächer und Klausuren „abgelenkt“ zu werden. Des Weiteren bekamen wir die Möglichkeit, über die Plattform Discord auch mal in einen anderen Unterricht hineinzuschauen, was sonst aufgrund des parallellaufenden Kurses nicht möglich ist. So konnte man sich von einem anderen Lehrer unterrichten lassen, was viele als gewinnbringend empfanden.

Max Rahmer richtet den Blick in die Zukunft und stellt fest: „Natürlich verlangt einem die fehlende Struktur, die ja normalerweise von der Schule vorgegeben wird, ein größeres Maß an Selbstorganisation und -disziplin ab. Aber genau darin sehe ich gerade für uns Abiturienten die Chance zu wachsen, da wir ja, wenn wir später an einer Universität studieren, auch selbständig den Stoff nachbereiten und lernen müssen“.

Neben all den schulischen Vorteilen ist diese Zeit für uns alle auch eine Phase des besonders intensiven Familienlebens. In den vergangenen Wochen haben wir alle viel mehr Zeit als gewöhnlich mit unseren Eltern verbracht, da wir, aber auch häufig unsere Eltern, nicht arbeiten mussten und wir deshalb viel Zeit miteinander verbringen konnten. Dieses zusätzliche Familienleben hat vielen gefallen und zeigte noch einmal neu auf, wer in dieser Krise doch immer noch an unserer Seite bleibt.

Besonders einschneidend ist es zu sehen, wie schnell man aus dem gewöhnlichen Leben gerissen und in ein komplett anderes Leben mit anderen Strukturen „geworfen“ werden kann. Doch gerade diese Umstellung ist den Lehrern und uns Schülern ganz gut gelungen. Besonders oft wurde gelobt, wie schnell sich die Lehrer an die Situation angepasst und über Online-Unterricht eine gute Alternative und Plattform geschaffen haben, um mit uns in Kontakt treten zu können. So war es uns zum Beispiel trotzdem möglich, ein Probe-Abitur zu schreiben, wenn auch nur daheim. Dennoch konnten wir einiges der versäumten und ausgefallenen Stunden ersetzen.

„Die Welt legt jetzt mal eine Pause ein“. Pia Sieger spricht damit den aktuellen Shutdown an, in dem wir alle versuchen, unseren Weg und auch unsere Motivation für die täglichen Aufgaben des Lebens und die Abiturvorbereitung zu finden. „Ich finde es aber eigentlich auch ganz cool, dass man wieder ein bisschen Zeit für sich hat, um kreativ zu werden, zu kochen oder Sport zu machen, ohne die ganze Zeit auf die Schule fokussiert zu sein“. Ob mit Sport, Kochen oder kreativen Möglichkeiten, wie Emma Baudy, oder die Kommunikation über FaceTime oder Skype mit den Klassenkammeraden und Freunden: Jeder findet etwas, womit er sich seine Zeit vertreiben kann. Dennoch fehlt uns das Gemeinschaftsgefühl, wenn wir uns nur im virtuellen Raum treffen und gemeinsam Mathe-Aufgaben lösen oder Zeilen aus Faust interpretieren. „Es fühlt sich komisch an, nur gegen einen Bildschirm zu sprechen, anstatt euch alle zu sehen“ beschreibt Frau Goebes (Mathe-Lehrerin J2) die neue Veränderung ihres Unterrichts.

Doch einen Wunsch haben alle Abiturienten gemeinsam: „Natürlich wünsche ich mir, dass das ganze jetzt bald vorbei ist und wir dann endlich wieder normal ins Leben einsteigen können“, fasst Lisa Mühlenbrock treffend zusammen.

Nicole Wölfle































































































































































































































































































































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