claim

Presse-AG interviewt Kultusministerin Eisenmann

IMG 20180123 WA0000

Das Thema „Bildung“ ist eines der wichtigsten Themen in der (Landes-)politik. Zum einen macht es den Standort Baden-Württemberg attraktiver, wenn wir Schüler viel lernen, gut abschneiden im Ländervergleich, zum anderen gibt es kaum ein anderes Gebiet, bei dem so viele Menschen mitreden können, als wenn es um Schule, Universität und Weiterbildung geht. Doch bei den ganzen Änderungen, die ja in erster Linie uns Schüler betreffen, werden wir - gefühlt - wenig gefragt. Aus dem Grund haben wir Dr. Susanne Eisenmann, die baden-württembergische Kultusministerin (CDU), ein paar Fragen geschickt, zu denen sie uns umfangreich Antworten gab. Hier ein paar Auszüge des Interviews.

Presse-AG: Im Jahr 2004 wurde die gymnasiale Oberstufe schon einmal reformiert, aus Leistungskursen und Grundkursen wurden Kernfächer, aus neun Jahren Gymnasium wurden acht. Nun stehen erneut Veränderungen in der Oberstufe an. Wir fragen nun, was erhoffen Sie sich von der Reformierung, Frau Dr. Eisenmann?

Dr. Susanne Eisenmann: Die Weiterentwicklung der Oberstufe […] eröffnet neue Möglichkeiten zur Förderung im Spitzenbereich. Die Schülerinnen und Schüler werden durch eine Konzentration auf drei Leistungsfächer entlastet, in denen sie ihr schriftliche Abiturprüfung ablegen werden. Damit sollen Niveau und Qualität des baden-württembergischen Abiturs gesteigert, die breite Allgemeinbildung soll weiter vertieft werden. Hinzu kommen eine Stärkung der Neigungs- und Begabungsprofilierung in der Kursstufe, sowie eine Stärkung der Naturwissenschaften.

Presse-AG: Der Ruf nach G9 in der Elternschaft und Schülerschaft wird lauter. Wird das alte G9 wieder verbindlich an allen Gymnasien eingeführt? Und wenn „Nein“ - warum nicht?

Dr. Susanne Eisenmann: In Baden-Württemberg haben wir 44 Modellstandorte, an denen das Abitur nach neun Jahren möglich ist. An den rund 330 anderen Gymnasien bleiben wir bei G8. Hinzu kommt, dass 37 Prozent der Abiturienten ohr Abitur bei uns ohnehin über ein berufliches Gymnasium erlangen. Die sind und bleiben beim Abitur nach neun Jahren. Wir brauchen jetzt nicht eine weitere Reform, sondern vor allem Ruhe und Verlässlichkeit im Schulsystem. Einen flächendeckenden Wechsel zu G9 halten wir nicht für sinnvoll.

Presse-AG: Binnendifferenzierung - also die individuelle Förderung Einzelner - findet im dreigliedrigen Schulsystem ja auch statt. Was sind die Vorteile von Gemeinschaftsschulen?

Dr. Susanne Eisenmann: Die Gemeinschaftsschulen bieten Unterricht auf allen drei Niveaus an und führen so zum Hauptschulabschluss, Realschulabschluss wie zum Abitur. Die Schülerinnen und Schüler können von Fach zu Fach auf unterschiedlichen Niveaus lernen - je nach Begabung und Fähigkeit. Ein Wechsel der Niveaus ist bis auf die Abschlussklassen jederzeit möglich. Erst im Abschlussjahr der Sekundarstufe I., d.h. im neunten oder zehnten Schuljahr, lernen die Schülerinnen und Schüler über alle Fächer hinweg einheitlich nach den Bildungsstandards des angestrebten Bildungsabschlusses. Zudem werden Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg als verbindliche Ganztagsschulen geführt und bieten somit die Möglichkeiten, auf die individuellen Stärken und Schwächen, sowie auf unterschiedliche Interessen der Schülerinnen und Schüler einzugehen.

Presse-AG: Whiteboards und Smartboards sollen Tafeln ersetzen, der Beamter soll zum Teil fester Bestandteil des Unterricht werden, ebenso die Dokumentenkamera. An vielen Schulen ist die mediale Ausstattung allerdings noch gar nicht so weit fortgeschritten. Wie wollen Sie das an Schulen verbessern und halten Sie Digitalisierung „um jeden Preis“ für sinnvoll?

Dr. Susanne Eisenmann: Die Herausforderungen der Digitalisierung im Schulbereich wollen wir als Gesamtkonzept gemäß dem Grundsatz: „Die Technik muss der Pädagogik folgen“ angehen. Eine Digitalisierung um jeden Preis ist nicht sinnvoll. Vielmehr gilt es zunächst an jeder Schule die Frage zu klären: Was will ich mit der digitalen Technik an meiner Schule, in meinem Fach, bei meinen Schülerinnen und Schülern eigentlich erreichen? Wie kann ich meinen Unterricht so konzipieren, dass die pädagogischen Chancen digitaler Technik wirklich zum Tragen kommen?

Presse-AG: Schüler konsumieren in ihrer Freizeit ungehindert und unreflektiert Gewalt in den Medien. Sollte man nicht in den Schulen den Schülern einen kritischen Umgang mit Gewalt und Gewaltdarstellung in Medien wie Filmen und Computerspielen lehren?

Dr. Susanne Eisenmann: In der Tat spielt der Umgang mit Medien im Alltag eine immer wichtigere Rolle für Kinder und Jugendliche. Deshalb haben wir die Medienbildung in der Schule in den vergangenen Jahren bereits auf verschiedene Weise gestärkt. So ist in den aktuellen Bildungsplänen beispielsweise eine eigene Leitperspektive „Medienbildung“ verankert, um den Schülerinnen und Schülern entsprechende Kenntnisse in der Schule zu vermitteln. Dies wird beispielsweise mit dem „Basiskurs Medienbildung“ umgesetzt, der verbindlich für die 5. Klassen stattfindet. Ziel der Medienbildung ist es, junge Menschen zu befähigen, Medien sinnvoll auszuwählen, das Medienangebot kritisch zu reflektieren und die Medien verantwortungsvoll zu nutzen.

Presse-AG: Eine Frage, die uns alle beschäftigt: Warum geht die Schule so früh los. Und dabei sind sich die Wissenschaftler einig, dass ein Schulbeginn um 9 Uhr die Effektivität des Unterrichts und die Lust der Schüler deutlich erhöhen würde. Warum beginnt der Unterricht also nicht später?

Dr. Susanne Eisenmann: Über den Unterrichtsbeginn entscheidet nach dem Schulgesetz Baden-Württembergs die Schulkonferenz. Eine generelle Vorgabe des Kultusministeriums gibt es daher nicht und es wäre auch nicht sinnvoll, wenn es eine allgemein festgesetzte Uhrzeit für den Unterrichtsbeginn gäbe. Dafür muss jede Schule die örtlichen Gegebenheiten und die mehrheitlichen Wünsche von Eltern, Lehrkräften und Schülern berücksichtigen. Diese Zuständigkeit der schulischen Gremien für die Gestaltung der Unterrichtsorganisation hat sich bewährt.

 

Die Presse-AG des Otto-Hahn-Gymnasiums Böblingen dankt Ihnen, Dr. Susanne Eisenmann, für Ihre ausführliche Beantwortung unserer Fragen.

Anmelden

Einloggen

Username *
Password *
an mich erinnern

Termine Schuljahr 2017/18

Unser Leitbild

ankerGemeinschaft ist unsere Stärke.

Jeder ist uns wichtig.

Wir lernen für das Leben.
Das komplette Leitbild lesen Sie hier.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen